Alkohol und Depression

Kurzbeschrieb Wirksamkeitsprüfung einer internetbasierten Selbsthilfeintervention zur Reduktion von problematischem Alkoholkonsum und depressiven Symptomen
Projektleitung Michael Schaub
Dauer 01.2015 – 12.2017
Förderung durch / Auftraggeber Schweizerische Stiftung für Alkoholforschung (SSA)
Kooperationspartner Arkin Mental Health Care, Amsterdam Institute for Addiction Research, VU University of Amsterdam (Niederlande) und Leuphana University (Deutschland)

Ausgangslage

Mit web-basierten Selbsthilfe-Programmen zur Reduktion von problematischem Substanzkonsum können verborgene Konsumentengruppen erreicht werden, die oft eine Stigmatisierung befürchten. Solche Programme kosten kaum Überwindung zur Teilnahme, sind meist unbeschränkt nutzbar und weisen ein bemerkenswert positives Kosten-Nutzen-Verhältnis auf, was sowohl für Länder mit tiefen wie auch für industrialisierte Ländern mit hohen Einkommensverhältnissen interessant ist. Psychische Störungen und Substanzmissbrauch treten oft gemeinsam auf. In der Allgemeinbevölkerung ist die vermutlich häufigste Kombination der Alkoholmissbrauch und Depressive Störungen. Die Komorbidität von Alkoholmissbrauch ist zwei bis drei mal höher bei Menschen die unter einer depressiven Störungen leiden, als in der Allgemeinbevölkerung. Internetbasierte Selbsthilfeprogramme zur Reduktion von subklinischer Alkoholsucht oder zur Linderung von moderaten bis milden depressiven Symptomen haben sich in einer Metaanalyse als wirksam erwiesen. Eine kosteneffektive Intervention, die Individuen im frühen Stadium einer Alkoholsucht oder Depression erreichen können, ist aus Sicht des öffentlichen Gesundheitswesens von grosser Bedeutung. Deshalb beabsichtigen wir die erste web-basierte Dual-Diagnose-Selbsthilfeintervention für Personen mit schädlichem oder problematischem Alkoholkonsum und gleichzeitigen milden bis moderaten depressiven Symptomen zu entwickeln.

Zielsetzung

Das Ziel dieser Studie ist das Prüfen der Wirksamkeit einer web-basierten Selbsthilfe-Intervention zur kombinierten Reduktion des Alkoholkonsums und der depressiven Symptome, einer web-basierten Selbsthilfe- Intervention, die nur auf die Alkoholreduktion abzielt, und einer Kontrollgruppe (Warteliste) bei Personen mit schädlichem und problematischem und Alkoholkonsum und milden bis moderaten depressiven Symptomen.

Methodik

Wir planen eine dreiarmige, internationale, kontrolliert-randomisierte Studie, die die Effektivität einer auf Reduktion des Alkoholkonsums und der depressiven Symptomatik abzielenden kombinierten Intervention vergleicht mit einer Intervention, die nur auf die Reduktion des Alkoholkonsums abzielt. Beide Interventionen werden als web-basierte Selbsthilfe-Programme konzipiert und beinhalten ein Tagebuch und zahlreiche Module, die auf den Prinzipien der motivierenden Gesprächsführung, auf Selbstkontrollpraktiken und Methoden der kognitiv-behavioralen Therapie basieren. Beim Alkohol-Arm fokussieren die Module nur auf die Alkoholreduktion, und das Tagebuch erfasst nur den Alkoholkonsum, während beim Alkohol-und-Depressions-Arm die Module auf beide Themen fokussieren und das Tagebuch zusätzlich zum Konsum auch noch die Stimmung und positive Aktivitäten erfasst. Verschiedene Datenerhebung erfolgen zur Baseline, nach 6 Wochen und nach 3 und 6 Monaten. Die primären Ergebnisvariablen werden der Alkoholkonsum (AUDIT - Alcohol Use Disorders Identification Test), die Menge an Standarddrinks und die Anzahl alkoholfreier Tage pro Woche sein. Die sekundären Ergebnisvariablen werden depressive Symptome, Konsum von Tabak und illegalen Drogen, Veränderungen in der mentalen Gesundheit, der Verbleib in der Behandlung, eine Kosten-Nutzen-Analyse und eine Kosten-Effektivitäts-Analyse sein.

Bedeutung

Die zu erwartenden Erkenntnisse werden Auskunft darüber geben, wie wirksame, webbasierte Selbsthilfe-Programme für Dual-Diagnosen im Allgemeinen und spezifisch für komorbide Alkoholsucht and depressive Störung auszusehen haben. Insbesondere können Personen mit depressiver Symptomatik, die gesellschaftlich gut integriert sind und wegen ihres schädlichen Alkoholkonsums eine Stigmatisierung fürchten und deswegen keine Suchtberatung oder -behandlung aufsuchen, von diesen leicht zugänglichen und anonymen Angeboten profitieren. Falls sich die Wirksamkeit der Selbsthilfeoberfläche zeigen lässt, dann wird sie in das schweizerische Portal für Suchtfragen „Safe Zone“ integriert. Hilfesuchende können auf Safe Zone ein Screening machen und erhalten Zugang zu den für sie passenden Selbsthilfe-Interventionen. Nach unseren Wissensstand ist dies das erste webbasierte Selbsthilfe-Programm bei Dual-Diagnosen und wird vermutlich weitere Forschungsprojekte im Bereich von komorbiden Störungen stimulieren, die für die öffentliche Gesundheit relevant sind.

Publikationen